Die Geschichte des Josephson-Effekts ist untrennbar mit der Entwicklung der Supraleitung und der theoretischen Beschreibung quantenmechanischer Tunnelprozesse verbunden. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Phänomene entdeckt, die das klassische Verständnis elektrischer Leitfähigkeit herausforderten. Die Entdeckung der Supraleitung war ein Meilenstein, der Jahrzehnte später zur Vorhersage des Josephson-Effekts führte.
Die Anfänge der Supraleitung
Grundlagen der Supraleitung: Meißner-Ochsenfeld-Effekt, Cooper-Paare
Im Jahr 1911 entdeckte Heike Kamerlingh Onnes bei Experimenten mit Quecksilber, dass dessen elektrischer Widerstand unterhalb einer kritischen Temperatur abrupt auf Null abfällt. Dieses Phänomen wurde als Supraleitung bezeichnet. Der Zustand zeichnet sich nicht nur durch verschwindenden Widerstand, sondern auch durch den Ausschluss magnetischer Felder aus dem Inneren des Materials aus. Dieses Verhalten wurde 1933 von Walther Meißner und Robert Ochsenfeld beschrieben und als Meißner-Ochsenfeld-Effekt bekannt:
\vec{B} = 0 \quad \text{im Inneren eines perfekten Supraleiters}
Dieser Effekt unterschied Supraleiter fundamental von idealen Leitern und wies auf eine kollektive Quantenzustandsbildung hin.
Erst in den 1950er Jahren gelang es John Bardeen, Leon Cooper und John Robert Schrieffer, eine mikroskopische Theorie der Supraleitung zu formulieren. Diese sogenannte BCS-Theorie beschreibt die Bindung zweier Elektronen zu sogenannten Cooper-Paaren. Diese Paare bewegen sich kohärent durch das Kristallgitter, ohne dabei gestreut zu werden:
\Psi(\vec{r}_1, \vec{r}_2) = \psi(\vec{r}_1 - \vec{r}_2)
Die Bildung von Cooper-Paaren erklärt das Phänomen des verschwindenden Widerstands und bildet die Grundlage für makroskopische Quanteneffekte, wie sie auch beim Josephson-Effekt auftreten.
Wichtige Experimente der 1930er bis 1950er Jahre
Nach der Entdeckung des Meißner-Ochsenfeld-Effekts folgten zahlreiche Experimente zur Untersuchung supraleitender Materialien. Besonders wichtig waren die Arbeiten von Fritz London, der 1935 die sogenannten London-Gleichungen formulierte. Diese beschreiben die Beziehung zwischen dem elektrischen Strom und dem Magnetfeld im Supraleiter:
\nabla \times \vec{J} = -\frac{n_s e^2}{m} \vec{B}
Die Experimente der 1940er und 1950er Jahre legten das Fundament für die Erkenntnis, dass Supraleitung keine rein klassische Erscheinung ist, sondern auf Quantenmechanik beruht. Besonders die Fortschritte bei Dünnschichttechnologien und bei der Erzeugung kontrollierter Tunnelbarrieren waren entscheidend für die spätere Realisierung des Josephson-Effekts.
Brian D. Josephson und seine bahnbrechende Vorhersage (1962)
Josephsons theoretische Arbeiten zur Tunnelkopplung
Im Jahr 1962, als Doktorand an der Universität Cambridge, beschäftigte sich Brian David Josephson intensiv mit der Frage, ob supraleitende Elektronenpaare, also Cooper-Paare, eine Tunnelbarriere durchqueren können. Die bis dahin bekannten Modelle betrachteten primär quasiteilchengetragene Ströme. Josephson jedoch argumentierte, dass auch der makroskopische Quantenzustand selbst über eine dünne Isolatorschicht kohärent gekoppelt bleiben kann.
Er leitete zwei fundamentale Beziehungen her, die später als Josephson-Gleichungen bekannt wurden:
Erste Josephson-Gleichung (Gleichstrom-Effekt):
I = I_c \sin(\varphi)
Zweite Josephson-Gleichung (Wechselstrom-Effekt):
\frac{d\varphi}{dt} = \frac{2e}{\hbar} V
Hierbei bezeichnet \varphi die Phasendifferenz der supraleitenden Wellenfunktionen auf beiden Seiten der Tunnelbarriere, I_c den kritischen Strom, V die angelegte Spannung, e die Elementarladung und \hbar das reduzierte Plancksche Wirkungsquantum.
Diese theoretische Vorhersage war revolutionär, da sie implizierte, dass ein Tunnelstrom auch ohne Spannungsantrieb fließen kann – ein direktes makroskopisches Quantenphänomen.
Veröffentlichung der Vorhersage des Effekts
Josephson veröffentlichte seine Arbeit unter dem Titel „Possible new effects in superconductive tunnelling“ 1962 in der Zeitschrift „Physics Letters“. Die darin enthaltenen Ideen stießen zunächst auf Skepsis, da sie das etablierte Bild der Tunnelleitung durch quasiteilchengetragene Prozesse infrage stellten.
Der Artikel prägte die Forschung nachhaltig und inspirierte mehrere Arbeitsgruppen weltweit, das Phänomen experimentell zu überprüfen.
Reaktionen der Fachwelt und erste Bestätigungen
Schon kurz nach der Veröffentlichung reagierten führende Physiker wie Philip W. Anderson, der zusammen mit John M. Rowell die ersten experimentellen Belege für den Gleichstrom-Josephson-Effekt erbrachte. 1963 publizierten sie ihre Ergebnisse in den „Physical Review Letters“:
„Probable Observation of the Josephson Superconducting Tunneling Effect“
In ihren Experimenten beobachteten sie einen supraleitenden Tunnelstrom durch eine dünne Oxidschicht, der nur von der Phasendifferenz gesteuert wurde. Diese Beobachtung bestätigte eindrucksvoll Josephsons Theorie. In der Folge etablierte sich der Josephson-Effekt rasch als neuer Zweig der Festkörperphysik.
Nobelpreis und wissenschaftliche Würdigung
Bedeutung des Josephson-Effekts für die Festkörperphysik
Die Entdeckung hatte weitreichende Folgen für das Verständnis der Supraleitung, der Metrologie und der Quantenmechanik. Erstmals konnte ein makroskopischer quantenmechanischer Zustand direkt gemessen und technologisch genutzt werden. Der Josephson-Effekt eröffnete den Weg für neue Konzepte wie:
- supraleitende Interferometrie (justify;)
- definierte Spannungsstandards
- supraleitende Qubits für Quantencomputer
Er wurde somit zu einem Paradebeispiel für die Verbindung von Grundlagenphysik und Anwendung.
Verleihung des Nobelpreises 1973
Für seine theoretische Vorhersage erhielt Brian D. Josephson 1973 gemeinsam mit Leo Esaki und Ivar Giaever den Nobelpreis für Physik. In der Preisbegründung hieß es, er habe „vorhergesagt, dass supraleitende Ströme ohne Spannungsantrieb durch eine Tunnelbarriere fließen können“. Damit wurde Josephson bereits im Alter von 33 Jahren einer der jüngsten Nobelpreisträger in der Physikgeschichte.
Physikalische Grundlagen des Josephson-Effekts
Die physikalische Grundlage des Josephson-Effekts ist tief in den Konzepten der Quantenmechanik verwurzelt. Er beruht auf der Tunnelkopplung zweier makroskopischer Quantenzustände, die durch Cooper-Paare in supraleitenden Elektroden beschrieben werden. Im Folgenden werden die fundamentalen Mechanismen, die mathematischen Beschreibungen und die charakteristischen Gleichungen vorgestellt.
Quantenmechanischer Tunnel-Effekt
Konzept der Tunnelbarriere
Im klassischen Verständnis kann ein Teilchen eine Potentialbarriere nur überwinden, wenn seine Energie größer ist als die Barrierehöhe. In der Quantenmechanik dagegen hat ein Teilchen eine endliche Wahrscheinlichkeit, auch dann durch die Barriere zu gelangen, wenn seine Energie geringer ist. Dieser Prozess wird als Tunnel-Effekt bezeichnet.
Für den Josephson-Effekt ist die Tunnelbarriere eine wenige Nanometer dicke Isolationsschicht zwischen zwei Supraleitern. Trotz der Barriere können Cooper-Paare aufgrund der Quantenmechanik über die Grenzfläche koppeln. Das unterscheidet sich grundlegend vom klassischen elektrischen Strom, der auf einzelnen Elektronen beruht.
Mathematische Beschreibung der Wellenfunktion
Die Wellenfunktion eines supraleitenden Zustands lässt sich makroskopisch durch einen komplexen Ordnungsparameter darstellen:
\Psi(\vec{r}) = |\Psi(\vec{r})| , e^{i\varphi(\vec{r})}
Hierbei bezeichnet |\Psi| die Amplitude (Proportional zur Dichte der Cooper-Paare) und \varphi die Phase. Die Josephson-Kopplung entsteht durch Überlappung der Wellenfunktionen der beiden Elektroden über die Tunnelbarriere hinweg. Diese Kopplung führt zu einem Strom, der nur von der Phasendifferenz abhängt.
Cooper-Paare und makroskopische Quantenkohärenz
Bildung und Eigenschaften von Cooper-Paaren
Die Bildung von Cooper-Paaren wurde 1957 durch die BCS-Theorie erklärt. Zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin und Impuls bilden ein gebundenes Paar durch die Anziehungskraft via Phononen. Das System minimiert dadurch seine Energie und erreicht einen Zustand makroskopischer Kohärenz.
Wichtige Eigenschaft der Cooper-Paare ist, dass sie sich kollektiv bewegen und dabei eine einheitliche Phase besitzen. Diese Kohärenz erstreckt sich über den gesamten Supraleiter.
Phasenkohärenz in Supraleitern
Die Phase der Wellenfunktion ist für den Josephson-Effekt zentral. Die Phasendifferenz zweier Supraleiter bestimmt den Tunnelstrom:
\Delta \varphi = \varphi_2 - \varphi_1
Die makroskopische Kohärenz bedeutet, dass alle Cooper-Paare dieselbe Phase teilen und gemeinsam interferieren können. Dies macht den Josephson-Effekt zu einem direkten Beleg makroskopischer Quanteneffekte.
Josephson-Gleichungen
Gleichung für den Gleichstrom-Effekt (DC-Josephson-Effekt)
Im einfachsten Fall ohne äußere Spannung beschreibt die erste Josephson-Gleichung den Gleichstrom, der ausschließlich durch die Phasendifferenz erzeugt wird:
I = I_c \sin(\Delta \varphi)
Hierbei ist I_c der kritische Strom. Solange die angelegte Spannung null bleibt, fließt der Strom verlustfrei, was experimentell durch das charakteristische Nullspannungsplateau in der Strom-Spannungs-Kennlinie nachgewiesen werden kann.
Gleichung für den Wechselstrom-Effekt (AC-Josephson-Effekt)
Liegt eine konstante Spannung an, verändert sich die Phasendifferenz zeitlich. Dies beschreibt die zweite Josephson-Gleichung:
\frac{d(\Delta \varphi)}{dt} = \frac{2e}{\hbar} V
Daraus folgt ein Wechselstrom mit der Frequenz:
f = \frac{2e}{h} V
Dies bedeutet, dass eine konstante Spannung eine hochpräzise definierte Oszillation des Tunnelstroms erzeugt.
Bedeutung der Phasendifferenz
Die Phasendifferenz \Delta \varphi ist die zentrale Größe, die den supraleitenden Tunnelstrom bestimmt. Sie lässt sich als eine Art „quantum mechanical phase bias“ interpretieren, der die Bewegung der Cooper-Paare steuert. Die Kontrolle dieser Phase bildet die Grundlage vieler Anwendungen, etwa in justify; oder supraleitenden Qubits.
Energie- und Frequenzbeziehungen
Beziehung zwischen Spannung und Frequenz
Aus der zweiten Josephson-Gleichung ergibt sich eine direkte Proportionalität zwischen angelegter Spannung und der Frequenz der Oszillation:
V = \frac{h}{2e} f
Diese Beziehung ist von fundamentaler Bedeutung in der Metrologie, da sie eine exakte Spannungsreferenz liefert. Die Frequenz kann mit höchster Präzision aus Mikrowellenstandards abgeleitet werden.
Rolle der Planck-Konstanten
Die Formeln zeigen, dass fundamentale Naturkonstanten – Planck-Konstante h und Elementarladung e – direkt in die makroskopische Beschreibung eingehen. Damit stellt der Josephson-Effekt eine der seltenen Verbindungen zwischen Quantenmechanik, Elektrotechnik und Messtechnik dar.
Arten von Josephson-Kontakten
Josephson-Kontakte sind vielfältig realisierbar, je nachdem, welches Material zwischen den beiden Supraleitern liegt. Die Art der Zwischenlage bestimmt maßgeblich die physikalischen Eigenschaften, das Frequenzverhalten, die Stabilität und die Eignung für technologische Anwendungen. Im Folgenden werden die wichtigsten Typen vorgestellt.
SIS-Übergänge (Superconductor-Insulator-Superconductor)
Aufbau und Funktionsweise
Der SIS-Übergang ist die klassische Form des Josephson-Kontakts, wie sie Brian Josephson ursprünglich beschrieben hat. Hierbei trennt eine extrem dünne Isolatorschicht – typischerweise ein oxidiertes Metall – die beiden supraleitenden Elektroden. Diese Isolatorschicht ist nur wenige Nanometer dick, sodass die Wellenfunktionen der Cooper-Paare noch überlappen können.
Die wichtigsten Merkmale eines SIS-Kontakts sind:
- klar definierte Tunnelbarriere
- dominierender Gleichstrom-Effekt (DC-Josephson-Effekt)
- hohe Präzision bei der Spannungs-Frequenz-Relation
Mathematisch gilt dieselbe Josephson-Gleichung:
I = I_c \sin(\Delta \varphi)
Für SIS-Kontakte sind charakteristische kritische Ströme I_c erreichbar, die in erster Linie von der Dicke und Qualität der Isolatorschicht abhängen.
Herstellungstechniken dünner Tunnelbarrieren
Die präzise Herstellung der Isolationsschicht ist technologisch herausfordernd. Typischerweise wird sie durch Oxidation dünner Al-Schichten erzeugt. Ein gängiges Verfahren ist die thermische Oxidation:
- Verdampfung einer dünnen Al-Schicht auf einen supraleitenden Bodenfilm (z. B. Nb oder Al).
- Oxidation in Sauerstoffatmosphäre bei kontrolliertem Partialdruck.
- Abscheidung der zweiten supraleitenden Elektrode.
Die Qualität der Tunnelbarriere bestimmt maßgeblich:
- die Homogenität des kritischen Stroms
- das Rauschverhalten
- die Lebensdauer des Kontakts in kryogener Umgebung
SIS-Kontakte bilden die Grundlage für viele Metrologieanwendungen wie Spannungsnormale.
SNS-Übergänge (Superconductor-Normal-Superconductor)
Unterschiede zu SIS-Kontakten
Im Gegensatz zu SIS-Kontakten wird beim SNS-Übergang die Isolatorschicht durch eine Normalmetallregion ersetzt. Diese Normalmetallzone ermöglicht den Transport von quasiteilchengetragenen Strömen, wodurch der Effekt dissipative Anteile enthalten kann. Dennoch entsteht auch hier ein supraleitender Stromanteil durch die sogenannte proximale Induktion:
- Supraleitung dringt in das Normalmetall ein
- kohärente Kopplung über die gesamte Brücke
Die Strom-Phasen-Beziehung ist komplexer als beim SIS-Kontakt. Häufig wird sie durch Fourierentwicklung beschrieben:
I(\Delta \varphi) = \sum_{n=1}^\infty I_n \sin(n \Delta \varphi)
Im Grenzfall sehr kurzer SNS-Kontakte nähert sich die Beziehung jedoch der einfachen Sinusform an.
Einfluss der Normalmetallregion
Die Normalmetallschicht beeinflusst folgende Eigenschaften wesentlich:
- Verkürzung der Kohärenzlänge
- Reduzierung des maximal möglichen kritischen Stroms
- Temperaturabhängigkeit des Tunnelstroms
SNS-Kontakte sind besonders interessant für Anwendungen, bei denen kontrollierte Dissipation oder Temperaturabhängigkeit erwünscht ist, etwa bei Detektoren oder speziellen Quantenbauelementen.
Pi-Josephson-Kontakte
Negative Kopplung
Neben den klassischen 0-Kontakten existieren Josephson-Kontakte, deren Grundzustand eine Phasendifferenz von \pi aufweist. Solche Kontakte werden Pi-Josephson-Kontakte genannt. Ihre charakteristische Eigenschaft ist, dass der Tunnelstrom negativ gekoppelt ist:
I = I_c \sin(\Delta \varphi + \pi) = -I_c \sin(\Delta \varphi)
Physikalisch lässt sich dieses Verhalten durch unterschiedliche Mechanismen realisieren, zum Beispiel:
- magnetische Interaktion durch ferromagnetische Zwischenschichten
- d-Wellen-Symmetrie der Supraleitung (etwa bei Hochtemperatursupraleitern)
Anwendungen in Quantenlogik
Pi-Josephson-Kontakte bieten Vorteile für bestimmte Quantenlogik-Architekturen, da sie einen intrinsischen Phasenversatz liefern, der zur Konstruktion energetisch stabiler 0-π-Schaltungen genutzt werden kann. Beispiele sind:
- Pi-Junction-Flux-Qubits mit verbesserten Kohärenzeigenschaften
- Topologisch geschützte Speicherzellen
- kontrollierte Kopplung zwischen supraleitenden Qubits
Die Erforschung von Pi-Kontakten ist ein aktives Feld moderner Quantentechnologie.
Experimentelle Nachweise und Messmethoden
Die experimentelle Bestätigung des Josephson-Effekts war ein Triumph der Festkörperphysik. Die Messungen belegen eindrucksvoll die makroskopische Kohärenz des supraleitenden Zustands und zeigen, wie sich Quanteneffekte direkt im elektrischen Stromfluss manifestieren. Unterschiedliche Methoden wurden entwickelt, um sowohl Gleichstrom- als auch Wechselstromphänomene präzise zu beobachten.
Beobachtung des DC-Josephson-Effekts
Charakteristische Strom-Spannungs-Kennlinien
Die erste experimentelle Bestätigung des Gleichstrom-Josephson-Effekts gelang Anderson und Rowell im Jahr 1963. Sie präparierten einen SIS-Kontakt aus Bleisupraleitern, der durch eine dünne Oxidschicht getrennt wurde.
Die typische Messung besteht darin, die Strom-Spannungs-Kennlinie des Kontakts aufzunehmen. Anders als bei einem normalen Tunnelkontakt ergibt sich beim Josephson-Kontakt ein charakteristisches Plateau bei null Spannung, solange der Strom kleiner als der kritische Strom ist.
Diese Kennlinie lässt sich schematisch folgendermaßen beschreiben:
- Für |I| < I_c bleibt V = 0.
- Für |I| > I_c steigt die Spannung sprunghaft an.
Das Messsignal ist somit der direkte Beweis dafür, dass ein verlustfreier Tunnelstrom fließt, der nicht durch eine externe Spannung angetrieben wird.
Nullspannung bei nicht-null Strom
Der Effekt, dass bei einem nichtverschwindenden Strom keine Spannung messbar ist, war zunächst überraschend. Er zeigt anschaulich, dass die Energie nicht durch klassische Arbeit geleistet wird, sondern dass der Stromfluss durch die Kopplung der Phasen bestimmt ist.
Das Phänomen ist nur stabil, solange das System ausreichend kühl bleibt, um thermische Anregungen zu unterdrücken. Bei Temperaturen nahe der kritischen Temperatur kann thermisches Rauschen den Tunnelstrom zerstören, sodass das Nullspannungsplateau verschwindet.
Mikrowelleninduzierte Shapiro-Stufen
Experimentelle Beobachtung der Quantisierung
Ein weiterer fundamentaler Nachweis des Josephson-Effekts ist das Auftreten der sogenannten Shapiro-Stufen. Diese wurden 1963 von S. Shapiro entdeckt, als er einen Josephson-Kontakt mit Mikrowellenstrahlung bestrahlte.
In Anwesenheit einer Wechselspannung entsteht eine zeitabhängige Phasendifferenz:
\Delta \varphi(t) = \Delta \varphi_0 + \frac{2e}{\hbar} \int_0^t V(t') , dt'
Wird zusätzlich eine Mikrowellenfrequenz f_{RF} angelegt, führt dies zu einer Quantisierung der Spannung in diskrete Stufen:
V_n = \frac{n h f_{RF}}{2e}
mit n \in \mathbb{Z}.
Experimentell erscheint dieses Phänomen als eine Serie von Plateaus in der Strom-Spannungs-Kennlinie. Jede Stufe korrespondiert exakt mit einem ganzzahligen Vielfachen der Frequenz.
Frequenzabhängige Effekte
Die Präzision der Spannungsquantisierung ist so hoch, dass Shapiro-Stufen zur Definition internationaler Spannungsskalen verwendet werden. Die Frequenzabhängigkeit der Stufen erlaubt es, über bekannte Mikrowellenstandards exakte Spannungen zu generieren.
Die Shapiro-Stufen sind ein Paradebeispiel dafür, wie fundamentale Konstanten direkt in makroskopischen Messungen nachweisbar sind. Aus der Beziehung
V = \frac{h}{2e} f
ergeben sich Spannungsreferenzen mit Unsicherheiten unterhalb 10^{-9}.
Fraunhofer-Muster und Magnetfeldabhängigkeit
Interferenzphänomene bei magnetischem Fluss
Legt man ein Magnetfeld quer zur Tunnelbarriere an, beeinflusst der magnetische Fluss die Phasendifferenz über die Breite des Kontakts. Dies führt zu Interferenzmustern, die als Fraunhofer-Muster bezeichnet werden.
Das kritische Strommaximum hängt periodisch vom magnetischen Fluss \Phi ab:
I_c(\Phi) = I_{c0} \left| \frac{\sin\left( \pi \Phi / \Phi_0 \right)}{\pi \Phi / \Phi_0} \right|
Hierbei ist \Phi_0 = \frac{h}{2e} das magnetische Flussquantum.
Das Muster zeigt Maxima und Nullen des kritischen Stroms in Abhängigkeit vom eingeschlossenen Fluss, was den Wellencharakter des supraleitenden Zustands eindrucksvoll demonstriert.
Bedeutung für die Kalibrierung von justify;
Fraunhofer-Muster sind nicht nur ein eindrucksvoller Beleg für Quanteninterferenz, sondern auch ein wichtiges Werkzeug für die Kalibrierung supraleitender Bauelemente.
In justify; (Superconducting Quantum Interference Devices) wird gezielt magnetischer Fluss durch eine Josephson-Schleife geführt. Die periodische Abhängigkeit des kritischen Stroms von \Phi bildet die Grundlage für extrem empfindliche Magnetfeldsensoren.
Die Kombination aus Shapiro-Stufen und Fraunhofer-Mustern ist ein wesentliches Element der modernen Metrologie und Quantenmesstechnik.
Anwendungen des Josephson-Effekts in der Quantentechnologie
Der Josephson-Effekt bildet das Rückgrat zahlreicher moderner Quantentechnologien. Aufgrund seiner präzisen, quantenmechanisch gesteuerten Eigenschaften lässt er sich in Messtechnik, Quanteninformation, Grundlagenforschung und Hochfrequenztechnik nutzen. Im Folgenden werden die wichtigsten Anwendungen vorgestellt.
Superconducting Quantum Interference Devices (justify;)
Prinzip und Aufbau
justify; (Superconducting Quantum Interference Devices) sind die empfindlichsten Magnetfeldsensoren, die bisher entwickelt wurden. Sie basieren auf dem Prinzip der quantisierten Flussmodulation durch eine supraleitende Schleife, die eine oder zwei Josephson-Kontakte enthält. Das einfachste Design ist das DC-SQUID:
- zwei Josephson-Junctions in einer supraleitenden Ringstruktur
- Ankopplung eines externen Magnetfeldes
- Interferenz der Phasen an den beiden Kontakten
Das Funktionsprinzip nutzt die periodische Abhängigkeit des maximalen kritischen Stroms vom eingeschlossenen magnetischen Fluss \Phi:
I_c(\Phi) = 2 I_c \left| \cos\left( \frac{\pi \Phi}{\Phi_0} \right) \right|
Durch Messung des Stromverlaufs kann der Fluss mit einer Auflösung bis hinunter zu 10^{-6} \Phi_0 bestimmt werden.
Nutzung zur hochsensitiven Magnetfeldmessung
justify; sind in der Lage, extrem schwache Magnetfelder im Bereich von Femtotesla zu detektieren. Diese Empfindlichkeit macht sie zu unverzichtbaren Werkzeugen in Bereichen wie:
- Geophysik (Messung geomagnetischer Signale)
- Medizintechnik (Magnetoenzephalographie)
- Grundlagenphysik (Messung schwacher Magnetfelder in Materialproben)
Ihr Vorteil liegt in der direkten quantenmechanischen Kopplung der Messgröße an den supraleitenden Strom.
Josephson-Spannungsnormale
Definition der Spannungsskala durch Frequenz
Eine weitere bedeutende Anwendung ist die Nutzung des AC-Josephson-Effekts zur Erzeugung präziser Spannungsreferenzen.
Aus der Beziehung zwischen Spannung und Frequenz folgt:
V = \frac{n h f}{2e}
Hierbei stehen h und e für Naturkonstanten, und f ist die Frequenz der Mikrowellenanregung. Diese Verbindung erlaubt es, die SI-Einheit Volt direkt auf bekannte Frequenzen zurückzuführen.
Josephson-Spannungsnormale bestehen typischerweise aus Arrays tausender Josephson-Kontakte, die synchron betrieben werden, um nutzbare Spannungswerte (z. B. 1 Volt) mit extrem geringer Messunsicherheit zu erzeugen.
Anwendung in Metrologie und Eichwesen
Josephson-Spannungsnormale sind weltweit die Referenzstandards für Spannungskalibrierung. Sie ermöglichen:
- Realisierung des Volt mit einer Unsicherheit von unter 10^{-9}
- Vergleich von nationalen Normaleinrichtungen
- Eichung von Hochpräzisions-Digitalvoltmeter
Die Robustheit und Wiederholbarkeit dieser Spannungsnormale haben die elektrische Messtechnik revolutioniert.
Supraleitende Qubits
Josephson Junctions als Basis für Transmon-, Flux- und Phase-Qubits
Der Josephson-Effekt bildet auch die Grundlage supraleitender Qubits, einer der führenden Plattformen für Quantencomputer. Die wichtigsten Typen sind:
- Transmon-Qubit: Ein Kondensator parallel zu einer Josephson-Junction, der vor allem gegen Ladungsrauschen robust ist.
- Flux-Qubit: Ein supraleitender Ring mit mehreren Josephson-Kontakten, dessen zwei Zustände durch unterschiedliche zirkulierende Ströme definiert sind.
- Phase-Qubit: Ein einzelner Josephson-Kontakt, der in einer Potentialmulde definierte diskrete Energieniveaus ausbildet.
Alle supraleitenden Qubits beruhen auf nichtlinearen Eigenschaften der Josephson-Gleichungen und der Fähigkeit, makroskopische Quantenzustände zu superponieren.
Rolle bei der Realisierung von Quantencomputern
Die supraleitende Quantenprozessortechnologie hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Plattformen wie die von Google oder IBM nutzen Schaltungen aus Josephson-Junctions, um skalierbare Quantenprozessoren mit Dutzenden bis Hunderten von Qubits zu betreiben.
Josephson-Junctions bieten dafür entscheidende Vorteile:
- hohe Kopplungsstärke bei kontrollierbarer Nichtlinearität
- Nanofabrikation mit etablierten Verfahren
- Integration in komplexe Schaltungen mit Mikrowellenresonatoren
Sie sind der Schlüsselbaustein der meisten modernen Quantencomputerarchitekturen.
Terahertz-Strahlungsquellen
Erzeugung hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung
Wenn eine konstante Spannung an einen Josephson-Kontakt angelegt wird, erzeugt der AC-Josephson-Effekt hochfrequente elektromagnetische Wellen mit Frequenzen im Gigahertz- bis Terahertz-Bereich:
f = \frac{2e}{h} V
Bei Spannungen von wenigen Millivolt erreicht die Frequenz mehrere Hundert Gigahertz. Diese Eigenschaft wird genutzt, um kompakte Terahertz-Strahlungsquellen zu bauen.
Solche Quellen eignen sich für:
- Spektroskopie im Terahertz-Bereich
- Materialanalyse
- Bildgebung mit hoher Frequenzauflösung
Technologische Bedeutung
Terahertz-Strahlung liegt in einem Spektralbereich, der von klassischen Elektronikkomponenten schwer zugänglich ist. Josephson-Kontakte ermöglichen eine präzise steuerbare Frequenzquelle, die gleichzeitig kompakt und kryogen kompatibel ist.
In der Zukunft wird erwartet, dass diese Strahlungsquellen in der Quantenkommunikation, der Sicherheitskontrolle und der Astrophysik an Bedeutung gewinnen.
Mathematische Modellierung und theoretische Konzepte
Die Beschreibung des Josephson-Effekts erfordert eine mehrstufige Modellierung: einerseits makroskopische Theorien, die den Ordnungsparameter als Feldgröße behandeln, andererseits mikroskopische Modelle, die aus der BCS-Theorie abgeleitet sind. Für technische Anwendungen wiederum werden Ersatzschaltbilder genutzt, um das dynamische Verhalten zu analysieren. Dieses Kapitel stellt die wesentlichen Konzepte vor.
Ginzburg-Landau-Theorie
Grundlagen für die makroskopische Beschreibung
Die Ginzburg-Landau-Theorie wurde in den 1950er Jahren entwickelt, um den supraleitenden Zustand phänomenologisch zu beschreiben. Sie basiert auf der Einführung eines komplexen Ordnungsparameters:
\Psi(\vec{r}) = |\Psi(\vec{r})| e^{i \varphi(\vec{r})}
Die freie Energie des Systems wird in Abhängigkeit von \Psi formuliert:
F = F_n + \alpha |\Psi|^2 + \frac{\beta}{2} |\Psi|^4 + \frac{1}{2m^*} \left| \left( -i \hbar \nabla - 2e \vec{A} \right) \Psi \right|^2
Hierbei steht F_n für die freie Energie im Normalzustand, \vec{A} für das Vektorpotential und \alpha, \beta für materialabhängige Parameter.
Diese Theorie liefert eine makroskopische Grundlage für Phänomene wie:
- Magnetfeldpenetration (London-Tiefe)
- Flussquantisierung in Supraleitern
- Stabilität der supraleitenden Phase
Kopplung der Ordnungsparameter
Bei zwei Supraleitern, die durch eine dünne Barriere getrennt sind, wird die Kopplung ihrer Ordnungsparameter durch einen Tunnelterm in der Energie ausgedrückt:
E_J = - E_0 \cos(\Delta \varphi)
Die Minimierung der Energie führt direkt zur Strom-Phasen-Relation:
I = \frac{2e}{\hbar} \frac{\partial E_J}{\partial \Delta \varphi} = I_c \sin(\Delta \varphi)
Die Ginzburg-Landau-Theorie beschreibt somit anschaulich, wie die Phasenkohärenz über die Tunnelbarriere erhalten bleibt.
BCS-Theorie und Tunnelmatrixelemente
Mikroskopische Herleitung der Josephson-Gleichungen
Die BCS-Theorie liefert die Grundlage für ein detailliertes Verständnis der Supraleitung. Sie beschreibt die Bildung von Cooper-Paaren durch Paarbildung mit entgegengesetztem Spin und Impuls. Der makroskopische Zustand ist ein Produktzustand aller Paare:
|\text{BCS}\rangle = \prod_{\vec{k}} \left( u_{\vec{k}} + v_{\vec{k}} c^{\dagger}<em>{\vec{k}\uparrow} c^{\dagger}</em>{-\vec{k}\downarrow} \right) |0\rangle
Für den Tunnelstrom werden die Matrixelemente des Tunneloperators betrachtet. Josephson zeigte, dass der Strom proportional zum Imaginärteil des Produktes der beiden Ordnungsparameter ist:
I = \frac{2e}{\hbar} , \text{Im} \left{ T , \Psi_1^* \Psi_2 \right}
wobei T das Tunnelmatrixelement bezeichnet. Aus dieser mikroskopischen Formulierung folgt direkt:
I = I_c \sin(\Delta \varphi)
Diese Herleitung machte den Josephson-Effekt zu einem der ersten experimentellen Prüfsteine der BCS-Theorie.
RCSJ-Modell (Resistively and Capacitively Shunted Junction)
Ersatzschaltbild supraleitender Tunnelkontakte
Für technische Anwendungen ist es notwendig, den Josephson-Kontakt als dynamisches Element zu modellieren. Hierzu wird das RCSJ-Modell verwendet („Resistively and Capacitively Shunted Junction“). Das Ersatzschaltbild besteht aus drei parallelen Anteilen:
- Josephson-Stromquelle:
I_J = I_c \sin(\varphi) - Ohmscher Widerstand R zur Beschreibung quasiteilcheninduzierter Dissipation.
- Kapazität C der Barriere.
Die Gesamtstrombilanz lautet:
I = I_c \sin(\varphi) + \frac{V}{R} + C \frac{dV}{dt}
Da Spannung und Phasengeschwindigkeit zusammenhängen über:
V = \frac{\hbar}{2e} \frac{d\varphi}{dt}
ergibt sich eine nichtlineare Differentialgleichung für \varphi(t).
Dynamik unter Einfluss von Rauschen und Dämpfung
Das RCSJ-Modell erklärt viele beobachtete Effekte:
- Shapiro-Stufen durch Wechselspannungsanregung
- Übergang von DC- zu AC-Betrieb
- thermische Aktivierung über die Potentialbarriere
Zusätzlich kann thermisches oder quantenmechanisches Rauschen als stochastische Kraft eingebunden werden, wodurch die Stabilität der Phasendynamik quantitativ beschrieben werden kann.
Insbesondere für supraleitende Qubits ist diese Modellierung entscheidend, da sie Kohärenzzeiten und Fehlerwahrscheinlichkeiten beeinflusst.
Herausforderungen und aktuelle Forschungsrichtungen
Trotz der beeindruckenden Fortschritte bei der Erforschung und Anwendung des Josephson-Effekts stellen sich bis heute fundamentale und technologische Herausforderungen. Diese reichen von der Kontrolle der Dekohärenz über die Suche nach neuen topologischen Phasen bis hin zur Skalierung supraleitender Architekturen für Quantencomputer. Dieses Kapitel beleuchtet die wichtigsten offenen Fragen und aktuellen Forschungsansätze.
Dekohärenzmechanismen in Josephson-Systemen
Fluktuationen und Quasiteilchen
Dekohärenz bezeichnet den Verlust der kohärenten Quantenzustände durch Wechselwirkungen mit der Umgebung. Für supraleitende Josephson-Schaltungen stellen thermisch angeregte Quasiteilchen und Fluktuationen eine der zentralen Limitierungen dar.
Quasiteilchen können bei thermischer Anregung über die supraleitende Lücke \Delta entstehen und Tunnelprozesse stören. Ihre Dichte hängt exponentiell von der Temperatur ab:
n_{qp} \propto e^{-\Delta / k_B T}
Je höher die Temperatur, desto stärker die Störung der Phasen- und Amplituden-Kohärenz. Daher sind extrem tiefe Temperaturen (oft <20 mK) für den Betrieb supraleitender Qubits notwendig.
Einfluss thermischer und elektrischer Rauschquellen
Zusätzlich beeinflussen externe Rauschquellen die Phasendynamik:
- Thermisches Rauschen erzeugt Fluktuationen der Spannung und damit der Phasengeschwindigkeit.
- 1/f-Rauschen resultiert oft aus Materialunreinheiten oder Fluktuationen der Umgebungsbedingungen.
- Photonisches Rauschen kann über Leitungen und Resonatoren eingekoppelt werden.
Das RCSJ-Modell wird daher häufig erweitert, indem stochastische Terme berücksichtigt werden:
I(t) = I_c \sin(\varphi) + \frac{V}{R} + C \frac{dV}{dt} + I_{\text{noise}}(t)
Ziel aktueller Forschung ist es, Materialien und Designarchitekturen zu entwickeln, die diese Rauschquellen minimieren und damit die Kohärenzzeit verlängern.
Topologische Josephson-Kontakte
Majorana-Zustände und nicht-abelsche Statistiken
Ein besonders spannendes Forschungsgebiet ist die Integration von topologischen Materialien in Josephson-Kontakte. Hierbei spielen Majorana-Zustände eine zentrale Rolle.
Topologische Supraleiter können Quasiteilchenzustände beherbergen, die Majorana-Fermionen entsprechen. Solche Zustände sind ihre eigenen Antiteilchen und bilden robuste, nicht-lokale Quanteninformationen:
- Sie besitzen nicht-abelsche Austauschstatistiken.
- Ihre Quanteninformation ist durch Topologie geschützt.
In Josephson-Kontakten mit topologischen Materialien kann die Strom-Phasen-Relation zusätzliche Anteile enthalten:
I(\varphi) = I_c \sin\left(\frac{\varphi}{2}\right)
Dieser sogenannte 4π-periodische Josephson-Effekt gilt als Signatur von Majorana-Zuständen.
Potenzial für fehlertolerante Quantencomputer
Majorana-basierte Josephson-Kontakte gelten als Kandidaten für fehlertolerante Qubits („Topological Qubits“), da sie durch ihre nicht-abelsche Natur intrinsisch vor lokalen Störungen geschützt sind.
Aktuelle Experimente untersuchen Systeme wie:
- Halbleiter-Nanodrähte mit starker Spin-Bahn-Kopplung (InSb, InAs)
- Hybride Josephson-Kontakte mit topologischen Isolatoren
- Quantenpunktketten, die topologische Zustände nachbilden
Sollte es gelingen, solche Systeme stabil zu betreiben und gezielt zu manipulieren, wäre dies ein Durchbruch für robuste Quantencomputer.
Skalierung supraleitender Architekturen
Technische Hürden bei der Integration tausender Josephson-Kontakte
Eine der größten Herausforderungen ist die Skalierung supraleitender Architekturen von einigen wenigen Qubits auf große Quantenprozessoren mit tausenden Josephson-Junctions.
Hierbei treten vielfältige Probleme auf:
- Cross Talk: Mikrowellenleitungen und Steuersignale koppeln ungewollt zwischen den Qubits.
- Verlustkanäle: Die zunehmende Komplexität der Resonatoren und Verkabelung erzeugt dissipative Effekte.
- Materialdefekte: Jede zusätzliche Josephson-Junction erhöht die Wahrscheinlichkeit lokaler Fehlerquellen.
Auch das Kühlsystem stellt ein Limit dar, da große Qubit-Zahlen enorme Anforderungen an die Kühlleistung und das Packaging stellen.
Lösung: Ein Ansatz zur Lösung besteht in der Entwicklung modularer Quantenprozessoren, bei denen kleinere supraleitende Einheiten über photonische oder quasipartikelbasierte Schnittstellen gekoppelt werden. Weitere Forschungsrichtungen zielen auf:
- 3D-Integration von supraleitenden Schaltkreisen
- Materialsynthese mit minimalem Defektanteil
- verbesserte Abschirmung gegen elektromagnetische Störungen
Zukunftsperspektiven des Josephson-Effekts in der Quantenwelt
Der Josephson-Effekt bleibt ein zentrales Forschungsgebiet und eine treibende Kraft technologischer Innovation. Mit den Fortschritten in der Quantenmetrologie, der supraleitenden Informationstechnologie und der Hochfrequenztechnik eröffnen sich völlig neue Anwendungsspektren. Dieses Kapitel beleuchtet, welche Perspektiven sich daraus für die Zukunft ergeben.
Fortschritte in der Metrologie
Neue Definitionen physikalischer Einheiten
Die Fähigkeit, Spannung über fundamentale Naturkonstanten hochpräzise zu definieren, hat bereits zu einer Neugestaltung des internationalen Einheitensystems (SI) beigetragen.
Die Relation
V = \frac{n h f}{2e}
bindet die Spannung direkt an Planck-Konstante und Elementarladung. Mit dem Josephson-Effekt, dem Quanten-Hall-Effekt und der Fixierung von h und e sind alle elektrischen Einheiten durch unveränderliche Naturkonstanten bestimmt.
In Zukunft wird erwartet, dass:
- Josephson-Spannungsnormale als Referenz für alle Kalibrierungen dienen
- die Integration in Miniaturchips Standard wird
- neue Eichsysteme mit autonomer Frequenz- und Spannungsreferenz entstehen
So wird der Josephson-Effekt weiterhin das Rückgrat der modernen Metrologie bilden.
Hochfrequenztechnologien
Anwendung im THz-Bereich und in der Quantenkommunikation
Mit steigender Präzision in der Fertigung supraleitender Tunnelkontakte wächst auch ihr Potenzial in der Hochfrequenztechnik. Der AC-Josephson-Effekt erlaubt die Erzeugung von Strahlung weit über die klassischen Mikrowellenfrequenzen hinaus.
Insbesondere im Terahertz-Bereich (0,1–10 THz) bieten Josephson-Kontakte:
- kompakte und abstimmbare Frequenzquellen
- definierte Phasen- und Frequenzbeziehungen
- Integration in kryogene Umgebungen
Anwendungen liegen unter anderem in:
- Spektroskopie komplexer Moleküle
- Hochauflösender Bildgebung (THz-Tomographie)
- verschlüsselter Quantenkommunikation über definierte Frequenzkanäle
Durch Fortschritte in Materialwissenschaft und Nanofabrikation könnten Josephson-basierte Quellen bald klassische Halbleitertechnologien in ausgewählten Nischen ersetzen.
Quantensimulatoren und komplexe Schaltungen
Design multipler gekoppelter Josephson-Qubits
Supraleitende Josephson-Qubits haben sich als führende Plattform für skalierbare Quantenprozessoren etabliert. Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, gezielt Quantensimulatoren aufzubauen, die komplexe Vielteilchensysteme nachbilden.
Hierzu werden mehrere Dutzend oder Hunderte Qubits in komplexen Schaltungen gekoppelt. Jede Josephson-Junction dient dabei nicht nur als Qubit, sondern auch als nichtlineares Koppelelement. Beispiele für Designansätze sind:
- Ketten gekoppelter Transmons, um Spinmodelle zu simulieren
- Flux-Qubit-Arrays für die Nachbildung magnetischer Systeme
- hybride Architekturen mit Resonatoren und Supraleitungsinseln
Solche Simulatoren könnten unter anderem quantenkritische Phasenübergänge oder exotische Anregungen untersuchen.
Perspektiven für skalierbare Quantenprozessoren
Die Perspektiven für supraleitende Quantenprozessoren sind vielversprechend:
- Fortschritte in der Fehlerkorrektur (Surface Codes, Bacon-Shor-Codes)
- Integration von mehr als 1000 Qubits innerhalb einer kryogenen Plattform
- verbesserte kohärente Kopplung über supraleitende Bus-Resonatoren
- Kombination mit photonischen Schnittstellen für Quantenkommunikation
In den kommenden Jahren wird der Josephson-Effekt somit nicht nur in der Grundlagenforschung, sondern auch in der industriellen Entwicklung eine Schlüsselrolle spielen.
Zusammenfassung und Ausblick
Der Josephson-Effekt ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie Quantenmechanik und makroskopische Technik miteinander verschmelzen. Seine Entdeckung, die auf Brian D. Josephsons theoretischen Arbeiten Anfang der 1960er Jahre basiert, revolutionierte nicht nur die Festkörperphysik, sondern ebnete auch den Weg für zahlreiche technologische Anwendungen, die bis heute von zentraler Bedeutung sind.
Rückblick auf Entdeckung, Grundlagen und Anwendungen
Der historische Ursprung des Effekts liegt in den fundamentalen Eigenschaften supraleitender Materialien: der Bildung von Cooper-Paaren, der makroskopischen Phasenkohärenz und der Fähigkeit zur Tunnelkopplung über isolierende oder normalleitende Barrieren. Diese Grundlagen führten zu den berühmten Josephson-Gleichungen:
Gleichstrom-Effekt:
I = I_c \sin(\Delta \varphi)
Wechselstrom-Effekt:
\frac{d(\Delta \varphi)}{dt} = \frac{2e}{\hbar} V
Durch diese Relationen wurde es erstmals möglich, makroskopische Quantenphänomene experimentell zu messen und für technische Anwendungen zu nutzen.
Besonders hervorzuheben sind die folgenden Einsatzgebiete:
- Metrologie: Josephson-Spannungsnormale als Grundlage präziser Spannungsskalen.
- Magnetfeldmessung: justify; als empfindlichste Sensoren zur Detektion kleinster magnetischer Flüsse.
- Quantencomputer: Josephson-Junctions als fundamentale Bauelemente supraleitender Qubits.
- Hochfrequenztechnik: Nutzung des AC-Effekts zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung.
Diese Entwicklungen zeigen, dass der Josephson-Effekt weit mehr als nur ein theoretisches Kuriosum ist – er bildet einen Eckpfeiler moderner Quantentechnologie.
Ausblick auf kommende Entwicklungen und offene Fragen
Trotz aller Fortschritte bleiben zahlreiche Herausforderungen und spannende Forschungsfragen bestehen:
- Dekohärenz: Die Wechselwirkung supraleitender Qubits mit ihrer Umgebung begrenzt nach wie vor die Kohärenzzeiten. Fortschritte in Materialwissenschaft und Design sind erforderlich, um diese Effekte weiter zu minimieren.
- Topologische Zustände: Die Integration topologischer Materialien und Majorana-Zustände in Josephson-Kontakte verspricht robuste, fehlertolerante Quanteninformationsverarbeitung. Hier stehen experimentelle Nachweise und technische Umsetzung jedoch noch am Anfang.
- Skalierung: Der Weg zu großskaligen Quantenprozessoren erfordert neue Architekturen, Packaging-Technologien und Steuerungskonzepte, um Tausende von Josephson-Kontakten zu kontrollieren.
- Hochfrequenzanwendungen: Die Erschließung des Terahertz-Bereichs für Spektroskopie und Kommunikation steckt noch in den Kinderschuhen, bietet aber großes Potenzial.
Langfristig wird der Josephson-Effekt in immer mehr Anwendungsfelder hineinwirken. Er verbindet Grundlagenphysik, Präzisionsmesstechnik, Materialentwicklung und Informationstechnologie zu einem interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsraum, der noch viele Jahrzehnte Innovation verspricht.
Mit freundlichen Grüßen

Literaturverzeichnis
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https://www.nist.gov/programs-projects/josephson-voltage-standards - arXiv Preprint Server – Quantum Physics
Aktuelle Preprints zu Josephson Junctions und supraleitenden Qubits:
https://arxiv.org/archive/quant-ph - IEEE Xplore Digital Library
Zeitschriftenartikel zu supraleitender Elektronik und Josephson-Bauelementen:
https://ieeexplore.ieee.org - European Physical Journal B
Forschung zu Festkörperphysik und Quantenphänomenen:
https://www.epj.org - APS Journals – Physical Review Series
Archive der Originalveröffentlichungen:
https://journals.aps.org